Betroffene zu Beteiligten machen.
Wie aus einem technisch komplexen Hochwasserschutzprojekt ein Dialog mit den direkt Betroffenen wurde.
Nach dem schweren Unwetter von 2016 musste der Blattibach in Sarnen neu gedacht werden. Das Ziel: Menschen und Gebäude besser vor Hochwasser schützen und gleichzeitig den Bach ökologisch aufwerten. Denn moderner Hochwasserschutz bedeutet nicht mehr, Wasser einfach möglichst schnell in den See abzuleiten. Er soll auch Lebensräume schaffen, Tiere und Pflanzen vernetzen und dem Gewässer mehr Raum geben.
Technisch war vieles vorgegeben. Kommunikativ aber noch lange nicht.
Die Herausforderung
Das Projekt griff unmittelbar in den Lebensraum der Anwohner:innen und Grundeigentümer:innen ein. Gewässerräume mussten angepasst, Flächen beansprucht und bestehende Gärten und Uferbereiche teilweise neu gestaltet werden. Gleichzeitig sollte Kulturland möglichst geschont und der Schutz der Gebäude verbessert werden. Die zentrale Frage lautete deshalb nicht nur: Wie bauen wir einen sicheren und ökologisch wertvollen Bach? Sondern auch: Wie erklären wir ein komplexes Projekt so, dass die Betroffenen verstehen, warum es notwendig ist – und ihre Fragen, Bedürfnisse und Bedenken einbringen können?
Die Rolle von microbee
microbee übernahm die Kommunikationsverantwortung und entwickelte gemeinsam mit Projektleitung und Fachpersonen die Kommunikation mit den Betroffenen. Im Zentrum stand ein einfacher Grundsatz: Die direkt Betroffenen erfahren zuerst, was geplant ist.
Dafür übersetzte microbee die technischen, rechtlichen und ökologischen Grundlagen in eine verständliche Geschichte: vom Unwetter 2016 über die gesetzlichen Anforderungen bis zur Frage, weshalb die gewählte Variante den besten Kompromiss zwischen Hochwasserschutz, Ökologie und Landbedarf darstellt.
Statt mit fertigen technischen Plänen in eine klassische Informationsveranstaltung zu gehen, wurde der Austausch bewusst vorbereitet. Visualisierungen sollten zeigen, wie der renaturierte Bach einmal aussehen könnte. Fragen und kritische Punkte wurden im Vorfeld antizipiert und in Q&As übersetzt. Eine Projektwebsite sollte Pläne, Zeitstrahl, Hochwasserdokumentation, News und Ansprechpartner verständlich zugänglich machen.
Informieren. Zuhören. Verstehen.
Die Informationsveranstaltung war deshalb nicht als reine Präsentation gedacht. Nach einer kompakten Einführung ins Projekt folgte bewusst eine Frage- und Ideenrunde sowie der informelle Austausch mit den Betroffenen. Ziel war auch herauszufinden, „wer wie tickt“ – also Sorgen, Widerstände und Bedürfnisse frühzeitig wahrzunehmen.
Denn Partizipation bedeutet nicht, dass bei einem gesetzlich notwendigen Projekt alles verhandelbar ist. Sie bedeutet, transparent zu machen, was vorgegeben ist, wo Spielraum besteht und wo die Betroffenen tatsächlich Einfluss nehmen können.
Genau dieser Spielraum war beim Blattibach vorhanden: Das Projekt musste umgesetzt werden, gleichzeitig bestand die Chance, den Bach und seine Umgebung aufzuwerten.
microbee: Kommunikationskonzept und Beratung · Stakeholder- und Betroffenenkommunikation · Konzeption Informationsveranstaltung · Storyline und Präsentation · Visualisierung komplexer Inhalte · Q&A und Vorbereitung kritischer Fragen · Konzeption Projektwebsite · Begleitung des Dialogs mit Anwohner:innen und Grundeigentümer:innen.
Kommunikation als Teil der Projektentwicklung.
microbee verstand Kommunikation deshalb nicht als Massnahme am Ende des Projekts, sondern als Teil der Projektentwicklung.
Technische Inhalte wurden verständlich aufbereitet, mögliche Konflikte früh mitgedacht, die Perspektive der Betroffenen in die Kommunikation eingebracht und die Projektverantwortlichen auf den direkten Dialog vorbereitet.
So entstand aus einem Hochwasserschutzprojekt nicht einfach eine Informationskampagne, sondern ein Dialog zwischen Behörden, Fachpersonen und den Menschen, die unmittelbar mit den Veränderungen leben.